Kaufmarktbericht: deutliche Abkühlung der Nachfrage

Das Marktforschungsinstitut des IVD Süd hat den traditionellen Marktbericht „Wohnimmobilien Kaufobjekte Bayern und Landeshauptstadt München Herbst 2022" vorgelegt. Der Bericht gibt Informationen über aktuelle Preise sowie Markttrends auf dem bayerischen Kaufimmobilienmarkt.

„Die rapide wachsenden Finanzierungskosten und die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der drohenden Rezession in Deutschland infolge des Ukrainekriegs hemmen die Dynamik des Marktgeschehens und insbesondere auch die Preisdynamik am Wohnimmobilienmarkt", sagt Prof. Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts. „Die Landeshauptstadt München, in der im Herbst 2022 erstmalig seit langer Zeit erste Preisrückgänge für Wohnimmobilien ermittelt wurden, könnte als Seismograph für künftige Entwicklungen in den Groß- und Mittelstädten Bayerns dienen."

Wurde das Marktgeschehen zum Jahresbeginn 2022 noch durch eine starke Nachfrage und deutliche Preisanstiege auf dem Kaufmarkt gekennzeichnet, hat die Kombination aus rasant gestiegenen Finanzierungskosten, Inflation, nach oben geschnellten Baukosten und Handwerkerleistungen sowie die Auswirkungen des Ukraine-Krieges die sehr hohe Dynamik spätestens seit der Mitte des Jahres 2022 stark ausgebremst. „Der bayrische Immobilienmarkt steht nun vor einer Trendwende, die Zeit deutlicher Anstiege ist vorerst vorbei", so Kippes. „Darauf deuten derzeit mehrere Indikatoren wie die deutlich rückläufigen Immobilienumsätze im 2.Quartal 2022, eine erheblich reduzierte Nachfrage bei einem gleichzeitig breiteren Angebot an Kaufobjekten, sowie eine längere Vermarktungsdauer hin. Die geänderten Marktrahmenbedingungen setzen nun den in den vergangenen Jahren steil steigenden Kaufpreisen ein abruptes Ende."

Bei Hypotheken war noch im vergangenen Jahr ein Zinssatz von 0,8 Prozent erreichbar; bei guter Bonität waren die Zinsen unter Umständen sogar noch interessanter. Bei einem Kaufpreis von 500.000 Euro betrug die monatliche Darlehensrate (150.000 Euro Eigenkapital, 350.000 Euro Darlehenssumme, zwei Prozent Tilgung, Sollzinsbindung zehn Jahre) damals lediglich 817 Euro. Inzwischen ist die Zinsbelastung für ein identisches Darlehen auf 1.473 Euro hochgeschnellt. Das historisch niedrige Zinsniveau der vergangenen Jahre ermöglichte die vielerorts massiven Preissteigerungen bei den Kaufpreisen zumindest teilweise zu kompensieren. Nachdem die Entlastung durch niedrige Zinsen weitestgehend weggefallen ist, gleichzeitig aber die Kaufpreise in schwindelerregender Höhe verblieben sind, fielen speziell Eigennutzer, die traditionell häufig mit einem hohen Anteil an Fremdkapital finanzieren, immer öfter als Käufer aus.

Als in den vergangenen Jahren aufgrund der historisch niedrigen Bauzinsen der Immobilienerwerb deutlich erschwinglicher wurde, verlagerte sich die Nachfrage teilweise vom Miet- ins Eigentumssegment. Die schlagartige Veränderung des Zinsniveaus habe aktuell diesen Trend gedreht: während das Interesse an Kaufobjekten derzeit verhalten sei, steige die Nachfrage nach Mietobjekten in allen Marktsegmenten deutlich. Kapitalanleger nutzten die derzeit etwas entspanntere Situation auf der Angebotsseite in den großen Mittelstädten, um hier Lagesicherung zu betreiben. (DFPA/mb1)

Der Immobilienverband Deutschland IVD Bundesverband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen e.V. ist die Berufsorganisation und Interessensvertretung der Beratungs- und Dienstleistungsberufe in der Immobilienwirtschaft.

www.ivd-sued.de

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